Angezählt

Eine erste abc-etüde für die Wochen 02/03 auf die Schreibeinladung von Christiane. Die Aufgabe lautet, drei vorgegebene Wörter (Abfallglück/Verfallsdatum/unschuldig) in einen Text mit maximal 300 Wörtern zu verschreiben.

Angezählt

Unschuldig trödelt sie vor der Einfahrt zur Tiefgarage herum, dort wo in wenigen Minuten die Container des Einkaufszentrums zu stehen kommen. Die Hände in den Taschen, die Schultern zu minimaler Oberfläche zusammengezogen. Sie ist angezählt. Der Arzt hat ihr etwas wie ein Verfallsdatum eröffnet. Noch zwei, drei Monate. Arbeiten geht schon lange nicht mehr, freuen auch nicht. Es bleibt der abendliche Kleinkrimi um den Gewinn von einem kleinen Abfallglück. Etwas Spannung, etwas List, etwas Lust auf anderes als Brot und Suppe. Solange sie noch selbstständig auf die Strasse kann. Später wird man sie am Tropf durchfüttern. Bis, na ja.

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Fenster auf

Fenster auf
die Türen auch

Kalter Wind fegt
Haus und Atem klar

Glockengeläut ruft Hoffnung
auf ein gnädiges Jahr

Möge das Licht immer wieder
die Nächte vertreiben

Mögen wir beide,
du, meine Zeit und ich,
einander freundlich gesinnt bleiben.

Raunacht 12
5. Januar
Zum Licht erwachen

Meine Freundin

Wer nimmt dich in den Arm,
tröstet dich mit Verständnis?

Wer hilft dir, Rat zu finden?

Wer hält dich an den Schultern,
sagt dir Wahres ins Gesicht?

Wer geht mit dir durch Dick und Dünn
zum Pferde stehlen
oder zum jüngsten Gericht?

Deine beste Freundin. (*)

Mir selbst
die allerbeste Freundin sein,
im Neuen Jahr
und für immer.

(* und mein Stephan)

Raunacht 8
1. Januar
Eine Entscheidung treffen

Raunacht 6

Drücken in der Brust
Grummeln im Bauch

Überfordert mit Sein und Schein

Das Ziehen und Reissen zwischen
Selbstvertrauen und abgründiger Unsicherheit

Ja.
Ja. Das bin ich.

Auch das bin ich.

Auch das gelassene Gleiten
mit den Mühsalen

Das Lächeln angesichts der baumelnden Klinge über mir.
Auch das.

Ja.
Ja.

Bild mit der Apophysis App q : flame

6. Raunacht
30. Dezember
Die Gefühle umarmen

Alles hat seine Zeit

Heulen hat seine Zeit
und schweigen hat seine Zeit

Der Wolf heult zu seiner Zeit
Die Schildkröte schweigt

und kriecht weiter
oder auch nicht
zu ihrer Zeit

Leiden hat seine Zeit
Verdrängen hat seine Zeit

Und erst recht Lachen hat auch seine Zeit

Blühen und Früchte tragen hat seine Zeit
Welken und vermodern hat seine Zeit.

Heute geniessen oder ertragen, meine Zeit

4. Raunacht
28. Dezember
Der inneren Weisheit vertrauen