Wind

Was für ein Wind,
der Wind,
greift sich geschwind,
geschwind,
die Mütze vom Kind,
vom Kind.

Wühlt in den Haaren,
den Haaren,
der Dame von Jahren,
von Jahren,
nichts ist zu bewahren,
bewahren.

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Morgenmeisen

Dem Regen zum Trotz ruft die Meise ihr Ziwit in den Morgen. Sie wird wohl einen trockenen Ast im Kastanienbaum haben. Plan A war, mit ihrem Partner das neue Nest weich zu polstern. Aber nun, da der Nieselregen fast in bassen Frühlingsschnee übergeht, wird man zum Plan B übergehen müssen. Und der heisst: futtern.

Bei diesem Wetter sind Insekten rar und im April findet sich in den meisten Futterhäuschen kein Korn mehr. Es bleibt der Weg vor dem Café. Natürlich haben die Raben gestern aufgeräumt, aber einige Krümel werden wohl übrig geblieben sein, man muss sie nur suchen. Und das bedeutet Gefahr.

Die Strasse ist das Revier der Rabenkrähen, der Katzen und Menschen. Hat schon jemand Meisen auf dem Boden gesehen? Meisen irren sich selten im einschätzen von Gefahren.

Das Meisenpaar hockt also auf der Kastanie und beobachtet. Ein Junge rennt durch das Geniesel ins Café. Etwas später eilt er mit einer Tüte unter der Jacke wieder davon. Dabei beisst er in ein frisches Gipfeli.

Sehr gut. Gipfeli geben viele Brosamen. Gleichzeitig fliegen sie los, um ein Stück der knusprigen Kruste zu erhaschen, bevor es weich ist und kehren sofort wieder in den sicheren Baum zurück.

Ihr kurzer Flug jedoch ist vom Raben bemerkt worden. Er fliegt auf, landet keck auf der Strasse vor dem Café und beginnt zu picken. Dabei stolziert er respektlos hin und her, bis jeder Krümel verschwunden ist, um krächzend in seinem Baum zu verschwinden.

Die Meisen rutschen nahe zusammen und trösten sich gegenseitig über das verdorbene Frühstück hinweg.

Alltag März – Aufforderung zum Tanz

Ein Beitrag zum Projekt von Ulli Gau zum Thema Alltag.
https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/10/19/alltag-eine-idee/

In diesem Blog sind Bilder meist eine farbige Beigabe zum Text. Hier wollte ich einmal versuchen, mit Bildern zu spielen, wie es Cafeweltenall.wordpress.com macht.

Klinken, alltäglich in der Hand

eintreten
in die Welt
eines Raumes
mit seinen Dingen
und seinen Menschen

verlassen
der Welt
des Raumes
zu – laut oder leise

1 Geschlossen und offen

2 In welchen Raum würden diese Klinken führen?

3 Aufforderung zum Tanz und mehr:

Miesepeter

Morgen früh wird es erst regnen
Nachher gibt es Sonnenschein.
Warmer Wind bläst und entgegen,
gut wird unsre Laune sein.
– Vielleicht auch nicht.

Morgen werd ich besser wissen,
wie ich mich entscheiden soll.
Steckt doch Weisheit tief im Kissen,
schlafend werd ich ihrer voll.
– Vielleicht auch nicht.

Und der Mut? Wird er durch Jahre
nicht auch kräftiger statt schwach?
Lächeln werde ich in alten
Tagen über Ungemach
-Vielleicht auch nicht.

der impuls für text 7 der #frapalywo rundet die woche ab und schließt den kreis zum ersten impuls, bei dem wir die gleiche anfangszeile hatten.

er lautet: gleiche schlusszeile für alle: „vielleicht auch nicht“ – die zeile stammt aus dem gedicht „windgriff“ von hans magnus enzensberger.

Wieder unterwegs

Wege
Wege gehen
Wege gehen, wie damals,
als die Füsse noch wussten
und die Beine noch Kraft hatten.

Vertraute Wege wieder gehen,
vorbei an Sträuchern und Bäumen,
vorbei an meinem Schatten von damals,
als die Füsse noch wussten.

Wieder auf dem Weg.
Immerhin.
Unterwegs auf dem Weg,
auf dem Wiederweg,
auf den Wiederundwiederweg.

Immer wieder und wieder neu
Schritte wagen,
zagen und dennoch Wege wagen.
Wohin.
Dorthin,
wo die Knie sich verweigern,
die Füsse hadern mit dem Grund.
Wo alle Wege enden.
Dorthin,
wo das unbekannte grosse Land
sich öffnet, wo
neue Wege vor dir liegen,
wo die Füsse jauchzen und die Knie Tanzen.
Dort, am Ende der Wege.

@FrauPaulchen@twitter.com: der impuls für text 2 lautet: „im wiederweg“ – nutzt dieses bild von alfred kolleritsch aus seinem gedicht “Landschaft“ und bettet es in euren eigenen text ein.