Samstag am Herd

Wie schnell ein blanker Herd …

sich wandelt

in eine bunte Werkstatt,

in der Mittel zum Leben

in Naschereien verwandelt werden.

Ab hier hat der Gatte übernommen für Pommes und Fleisch.

Was übrig bleibt …

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Wenn das so weitergeht

„Wenn der Tag weitergeht, wie bisher, werde ich ihn nicht überleben“, dachte Fiona und übergab sich Mal. Die Übelkeit war nicht das Schlimmste. Es war das Dröhnen im Kopf, das seltsame Lichtspiel vor ihren Augen und der Schmerz, der Schmerz.

Morgens mit dem ersten Schritt fing es an. Schlaftrunken stolperte Fiona über ihre Hausschuhe, konnte sich am Kleiderschrank abstützen, sonst wäre sie gefallen. Der Kaffeemaschine fehlten Wasser und Bohnen. Das nervt.Wie immer war sie spät dran. „Früh genug“, dachte sie.

Heute wird ein Auftrag vergeben, finanziell und inhaltlich interessant. Eigentlich sind nur zwei Mitarbeiter in der Lage, dieses Projekt erfolgreich abzuwickeln, Fiona und ihr ewiger Konkurrent Peter.

Wer heisst heute schon Peter, grinste sie in sich hinein, und schlüpfte in ihre Schuhe. Geschnürt werden sie im Lift. Ein kurzer Blick auf die Wetterapp, es soll schneien? Die Winterreifen liess sie vor drei Tagen austauschen. Mit den Sommerreifen wird sie keine Chance haben.

Zu Fuss wird es sehr knapp. Vor der Haustür liegt feuchter, matschiger Stadtschnee. Beim dritten Schritt schwankt Fiona, fängt sich aber wieder auf. Hoffentlich fährt die Strassenbahn, oder hat die auch schon Sommerreifen drauf?

Fiona schreitet, schlittert, stürzt fast, aber es geht. Sie wird mutiger, versucht etwas Tempo draufzulegen. Dann hört sie das Kreischen der Strassenbahn in der Kurve. Jetzt nicht aufgegeben, denkt sie, torkelt über die Strasse, fast geschafft.

Eine halbe Schraube, in Schräglage, sie donnert, das Handy in der Hand schützend mit dem Kopf auf den Randstein.

Bleibt liegen. Betäubt, Lichter vor den Augen, Stimmen in den Ohren. Dann kamen Schmerz und eine unheimliche Übelkeit. Man lehnte sie an eine Laterne, durchnässt und verschmutz. Stadtschnee.

„Wenn der Tag weitergeht, wie bisher, werde ich ihn nicht überleben.“ Eifersüchtige Wörter hoch zu den Kopfschmerzen: „Wer heisst denn schon Peter.“

_ _ _

Das Nichtwort
lastet schwer
auf dem Gemüt.

O fände ich Namen
für das Unsagbare.
Schwerefrei flöge meine Seele.

Befiedere meine Gedanken,
du Geist des Wortes.

der impuls für text 6 der #frapalywo lautet: „wählt aus den folgenden wörtern von hilde domin eines oder mehrere aus und greift es in eurem text auf: fischherzig, das nichtwort, traumvolk, klimawechsler, schwerefrei, befiedern, heimwehgefiedert“. alle wörter stammen aus unterschiedlichen gedichten von hilde domin.

Miesepeter

Morgen früh wird es erst regnen
Nachher gibt es Sonnenschein.
Warmer Wind bläst und entgegen,
gut wird unsre Laune sein.
– Vielleicht auch nicht.

Morgen werd ich besser wissen,
wie ich mich entscheiden soll.
Steckt doch Weisheit tief im Kissen,
schlafend werd ich ihrer voll.
– Vielleicht auch nicht.

Und der Mut? Wird er durch Jahre
nicht auch kräftiger statt schwach?
Lächeln werde ich in alten
Tagen über Ungemach
-Vielleicht auch nicht.

der impuls für text 7 der #frapalywo rundet die woche ab und schließt den kreis zum ersten impuls, bei dem wir die gleiche anfangszeile hatten.

er lautet: gleiche schlusszeile für alle: „vielleicht auch nicht“ – die zeile stammt aus dem gedicht „windgriff“ von hans magnus enzensberger.

Wiegenlied ALTATÓ

(Ein Auszug / Részlet)

… Es schläft sogar die Strassenbahn,
und während das Moped schlummert,
klingelt sie kurz im Traum –
schlaf schön, kleiner Blasius.

A villamos is aluszik,
s míg szendereg a robogás,
álmában csönget egy picit –
aludj szépen, kis Balázs. …

Der Ball macht kurz ein Nickerchen,
die Pfeife, der Wald und die Reise,
auch der süsse Zucker schläft –
schlaf schön, keiner Blasius.

Szundít a labda, meg a síp,
az erdő, a kirándulás,
a jó cukor is aluszik –
aludj szépen, kis Balázs. …

1936, József Attila

Übersetzungsversuch eines ungarischen Verses aus der uralten Fibel „Unsere Heimat“ Szülőföldünk. Zu jedem Buchstaben gibt es einen Vers.

Johnny

Johnny, mein Johnny,
wo bleibst du so lang?
Was ist dir geschehen?
Mir wird schon fast bang.

Johnny, mein Johnny,
der Frühling ist da!
Zeit, sich zu lieben,
mein Herz ist dir nah.

Johnny, mein Johnny,
wo bleibst du so lang?
Hast du mich vergessen?
Mir wird schon fast bang.

Johnny, mein Johnny,
der Sommer ist nah.
Wann werd ich dich finden?
Wart, gleich bin ich da.

Johnny, mein Johnny,
ich sehe dich an!
Ich hab dich gefunden
in Katalins Arm!

Johnny, du Johnny
was fällt dir nur ein?
Lässt garstig mich sitzen,
du bist so gemein.

Johnny, mein Johnny,
ich bin dir so bös!
Werd ewig dich hassen
Der Bund ist gelöst.

Johnny, mein Johnny,
du bist so gemein!
Komm zu mir zurück
und ich bin ewig dein.

der impuls für text 5 der  #frapalywolautet: „ein geborgter name: nutzt den namen johnny aus bertolt brechts gedicht „surabaya-johnny“ für einen johnny in eurem eigenen text“.